Interview Lisa-Katherina Hensel

Hallo zusammen.
Zum Jahresabschluss gibt es noch ein Interview mit Lisa-Katherina. Sie spricht mit uns über „Shattered“, ihre aktuellen Projekte und welche Vorteile Kurzgeschichten haben.
Mit „Shattered“ hast du deine Debüt-Reihe gestartet. Wie hast du den Wechsel von Kurzgeschichten zum Roman und auch gleich zu einer Trilogie wahrgenommen?
Tatsächlich gab es keinen wirklichen Wechsel, da ich neben Kurzgeschichten schon immer parallel an Romanprojekten geschrieben habe. Insbesondere an der Shattered-Trilogie, die mich – zumindest in ihrer ersten Ideen – schon relativ lange Zeit begleitet. Allerdings war es dann doch etwas ungewohnt, als ich auf der Zielgeraden nur noch an den Romanen gearbeitet habe. Ich schließe Dinge, auf denen mein gesamter Fokus liegt, gern so direkt wie möglich ab – und das ist bei einer Trilogie eher schlecht möglich. 😉 Ich musste also lernen, den Dingen ihre Zeit zu geben und gemeinsam mit dem Schreibprozess auch in meiner Geduld zu wachsen.
Wie unterscheidet sich in deinen Augen die Arbeit an einer Kurzgeschichte und einem Roman?
In der Regel begleitet eine Kurzgeschichte einen einzelnen, besonderen Moment oder greift ein spezifisches Ereignis auf (natürlich gibt es immer Ausnahmen). Ein Roman bietet mehr Raum für die Handlungs- und Figurenentwicklung. Daher sollte eine Kurzgeschichte meiner Meinung nach sehr pointiert geschrieben sein, es muss in wenigen Worten alles nötige klar werden, um die Geschichte verstehen zu können. Das kann eine ganz schöne Herausforderung darstellen, vor allem, wenn man – wie ich – gern mal etwas ausschweifender wird. Und schlecht kürzen kann … 😉 Im Roman wiederum kann in meinen Augen der Platz, um sich „auszutoben“, auch einen Nachteil darstellen, denn die Waagschale zwischen Weltenbau, Hintergrundinformationen, Figurenentwicklung und Spannung über lange Strecke zu halten und sich nicht in einzelnen Punkten davon zu verlieren, ist ebenfalls nicht immer einfach.
Aber nun, erzähl doch einmal etwas über Shattered und den Entstehungsprozess.
„Shattered Bonds“ – und die beiden Folgebände „Shattered Hopes“ und „Shattered Dreams“ – ist eine Jugend Dystopie, die nach einem dritten Weltkrieg im erneut gespaltenen Berlin des Jahres 2114 angesiedelt ist. Die Leser:innen begleiten die Jugendlichen Ava und Zero auf der Suche nach der Wahrheit hinter Avas besonderen Fähigkeiten: denn diese kann mit ihrem Geist in die virtuelle Welt eintauchen.
Neben einer unterhaltsamen Geschichte waren mir auch aktuelle gesellschaftspolitischen Themen sehr wichtig. Zentral war für mich hierbei die grundlegende Frage, ob eine gerechte Welt möglich ist – und wenn ja, was ein jeder bereit ist, dafür zu geben. Eine weitere Rolle spielen unsere globale Vernetzung und der schnelle technische Fortschritt, der zwar viele Vorteile bringt, uns aber auch extrem abhängig macht. Daneben finden Themen wie virtuelle Welten, geheime Experimente, Vorurteile und Intrigen, aber auch Freundschaft und eine leise Liebesgeschichte ihren Platz.
Wie ich bereits erwähnt hatte, begleitet mich die Geschichte um die Shattered-Trilogie schon viele Jahre. Es gab Phasen, in denen lange nichts passiert ist. Schließlich konnte ich 2023 durch einen Wettbewerb mit meinem Projekt einen Platz bei einer Literatur-Agentur finden und im Jahr darauf bekam ich eine Zusage von One (dem Jugend-Imprint von Bastei Lübbe) für die Trilogie.
Der eigentliche Startpunkt von „Shattered Bonds“ liegt aber schon etliche Jahre zurück und entstammt einer einzelner, kleiner Szene: Dem ersten Aufeinandertreffen von Ava und Zero in der Äußeren Zone von Neo Berlin. Zero, der Ava gerettet hat, steht nun überfordert und wütend vor der am Boden sitzenden, weinenden Jugendlichen. Es regnet, die Umgebung ist karg und trist. Ein denkbar schlechter Start, und dennoch der Beginn einer ganz besonderen Verbindung zweier Welten. Dieses Bild – all die Fragen, die es aufwarf, und das Gefühl, das es mit sich brachte – existierte in meinem Kopf lange vor der Geschichte, und stellte die Ausgangsbasis für all die anderen Charaktere, Storylines und Hintergründe dar.
Wird es noch weitere Kurzgeschichten von dir geben? Oder bleibst du der Romanlänge treu?
Ich werde definitiv auch weiterhin Kurzgeschichten schreiben. Zum einen existieren viel zu viele Ideen in meinem Kopf, die umgesetzt werden wollen – manche davon eignen sich als Kurzgeschichte, andere möglicherweise als Roman –, und zum anderen hilft mir persönlich der Wechsel zwischen diesen beiden Formen und ihren unterschiedlichen Anforderungen, um kreativ bleiben zu können.
Was viele, die nicht schreiben, interessiert, wie integrierst du das Schreiben in deinen Alltag?
Ich schreibe, wann immer neben dem Hauptjob Zeit ist: Oft in den Abend- oder Nachtstunden und am Wochenende. Ich bin eine totale Nachteule und bewundere meine Kolleg:innen, die sich schon am frühen Morgen und oft noch vor der Arbeit an ihre Projekte setzen können. Ich habe aber auch gemerkt, dass es dennoch wichtig ist, dass die Freizeit nicht zu kurz kommt. Das Schreiben ist das, was ich liebe, was mir Freude bringt und was ich für mich in meinem Leben brauche, aber es kann phasen-weise eben auch sehr anstrengend sein. Daher ist Ausgleich meiner Meinung nach wirklich wichtig und die besten Ideen entstehen oft, wenn das Gehirn mit anderen Dingen abgelenkt ist – oder einfach auch mal Ruhe hat.
Was machst du, wenn eine Geschichte oder auch allgemein deine Kreativität stockt?
Ausgleich. 😉 Ich liebe es auf Konzerten meinen Kopf abzuschalten, oder auch beim Wandern in der Natur die Gedanken schweifen zu lassen. Das ist der Vorteil, wenn man nicht vom Schreiben leben muss. Ich arbeite in der Fernseh- und Medienbranche und hier müssen die Produkte natürlich in Zeit fertig werden. Wenn ich meine eigenen Geschichten schreibe, dann kann ich das in meinem Tempo tun, und mir hier auch die Freiheit nehmen, auch mal einen Schritt zurückzutreten. Außer es gibt Deadlines: Dann hilft eine gute Planung mit genügend Puffer für ebenjene Momente, in denen man mal durchatmen muss – und Struktur. An der arbeite ich übrigens noch … 😉
Hast du schon ein neues Projekt, von dem du etwas erzählen darfst?
Ja, ich schreibe gerade an einem Young Adult Cozy Krimi für den Novel Arc Verlag, der 2026 erscheinen wird. Ich bleibe aktuell also der Jugendliteratur treu und habe noch ein, zwei weitere Projekte aus diesem Bereich auf dem Tisch. Aber ich werde auch weiterhin im Science Fiction, Horror und Fantasy Bereich zu finden sein, in dem meine bisher veröffentlichten Kurzgeschichten angesiedelt sind. Viel mehr darf ich leider noch nicht verraten, aber im nächsten Jahr wird es auf meinen Social Media Kanälen mehr dazu geben und ich freue mich natürlich riesig, wenn ihr mal vorbeischaut!
Ihr wollt mehr über Lisa-Katherina wissen oder auf dem Laufenden bleiben? Dann folgt ihr hier:
https://lisakatharinahensel.mozellosite.com/uber-mich/
https://www.instagram.com/lisa.k.hensel.autorin/
Wir wünschen euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Wir lesen uns.