Interview Klaus N. Frick

Hallo zusammen.
Dieses Mal treffen wir den Redakteur Klaus N. Frick und sprechen über Perry Rhodan und die deutsche Science Fiction.
Kannst du dich an den ersten Text erinnern, den du von Perry Rhodan gelesen hast?
Ich behaupte seit Jahr und Tag, dass ich meinen ersten PERRY RHODAN-Roman im Sommer 1977 in einem Zeltlager im Schwarzwald gelesen habe. Das ist auch richtig so. Aber ich gehe mittlerweile stark davon aus, dass ich bereits im Alter von acht oder neun Jahren die PERRY-Comics zu Gesicht bekommen hatte. Aber da ist die Erinnerung extrem verschwommen.
Bleiben wir also dabei: Mein erster PERRY RHODAN-Roman war ein Heft aus dem Zyklus »Meister der Insel«. Der Mausbiber Gucky tauchte auf, und den mochte ich gleich. Ich war 13 Jahre alt, und da gab es einen kleinen Knirps, der frech und respektlos war – wie ich es gern auch gewesen wäre –, der in einem Raumschiff reiste und über mächtige Gaben verfügte … das beeindruckte mich nachhaltig. Ich sehe mich noch vor mir, wie ich unter einem Baum saß und den Roman las …
Perry Rhodan gibt es inzwischen viele Jahre. Wie erschafft man einen zeitlosen Klassiker?
Die einfache Antwort ist: Man versucht immer, die möglichst besten Autorinnen und Autoren in die Serie zu holen, damit sie gemeinsam an dem Projekt arbeiten. Dabei ist es wichtig, dass die Personen gute Romane schreiben können, aber auch, dass sie in einem Team arbeiten können. PERRY RHODAN ist eine Teamleistung, nicht der Erfolg einer einzelnen Person. Auch wenn ich den »Wert« der jeweiligen Exposéautoren immer sehr hochgehalten habe – sie müssen ja die Struktur erstellen, mit deren Hilfe die Kolleginnen und Kollegen brillieren können.
Die schwierigere Antwort ist: Wir müssen versuchen, immer originelle Geschichten zu erzählen, die in den großen Zusammenhang passen. Auch hier gilt, dass das Gesamtbild stimmen muss. Brillante Ideen, wie sie beispielsweise Ted Chiang in seinen Kurzgeschichten bringt, würden unsere Serie sprengen. Wir müssen also immer wieder faszinierende Einzelteile entwickeln, die in ihrer Gesamtheit ein farbenprächtiges Mosaik ergeben. Ich hoffe, das Bild ist verständlich.
Wie hat sich die Science Fiction Branche in den Jahrzehnten verändert?
Zu den inhaltlichen Änderungen gibt es ja umfangreiche Literatur. War die Science Fiction bis in die fünfziger Jahre hinein eine Ideenliteratur, bei der auf Charaktere nicht so viel Wert gelegt wurde, änderte sich das in den 60er-Jahren. Grob vereinfacht: Die tapferen Ingenieure und Sternenkrieger bekamen auf einmal Gefühle, und in den Raumschiffen saßen irgendwann nicht mehr nur Männer, sondern auch Frauen. Und auf einmal ging es nicht mehr nur um Zeitreisen und Raumschiffe, sondern auch um andere wissenschaftliche Themen oder völlig abgefahrene Ideen. Danach kamen Cyberpunk und alles andere, und heute ist die Science Fiction ein vielseitiger Bestandteil der Populärkultur, so populär teilweise, dass die Menschen gar nicht mehr wissen, dass sie Science Fiction vor sich haben, wenn sie entsprechende Filme anschauen oder Bücher lesen. Das ist jetzt alles grob vereinfacht, schon klar – aber das Genre hat sich seit seinen Anfängen extrem erweitert.
Wichtig scheinen mir die Veränderungen im Markt zu sein. Die Medienlandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten komplett gewandelt, und das spürt die Science Fiction dann auch. Während die SF-Literatur bis in die 70er-Jahre mehrheitlich als Heftroman und gelegentlich als Taschenbuch wahrgenommen wurde, beherrschen heute Kinofilme, Fernsehserien oder aufwendige Computerspiele das Bild. Die gedruckte Literatur – auch wenn sie in Form eines E-Books daherkommt – führt fast ein Schattendasein, die Auflagen sind insgesamt sehr gesunken. Während wir auf der einen Seite heute einen wachsenden Markt von Selfpublishern sehen können, was ich ja gut finde, haben die großen Verlage ihre Programme reduziert.
Wohin das führt? Das weiß ich natürlich nicht. Aber der SF-Markt von 2025 ist nicht vergleichbar mit dem von 1985, als ich dachte, ich kenne mich richtig gut aus …
Gibt es einen Unterschied zwischen dem privaten Leser Klaus N. Frick und dem Redakteur?
Ja, den gibt es. Mein persönlicher Geschmack ist nicht immer identisch mit dem, was wir veröffentlichen. Das ist auch gut so. PERRY RHODAN war schon immer eine Serie, in der die unterschiedlichsten Geschmäcker bedient wurden. Würde man sie jetzt auf meinen Geschmack ausrichten, wäre das nicht gut. Als Redakteur sehe ich mich zudem als den Mann im Hintergrund: Die Exposés und Romane stammen von den Autorinnen und Autoren, sie sind die Stars der Serie. Als Redakteur schaffe ich im Idealfall die Rahmenbedingungen für Romane, die dann möglichst gut werden und möglichst vielen Leserinnen und Lesern gefallen.
Du hast mir verraten, dass im Oktober ein neuer Zyklus beginnt. Was kannst du hierüber schon erzählen?
Am 31. Oktober 2025 kommt Band 3350 unserer Serie in den Handel, in dem der »PEGASOS«-Zyklus beginnt. Über den Inhalt kann ich noch nicht viel erzählen, weil ich damit dem Abschluss des laufenden »PHOENIX«-Zyklus zu viel vorwegnehmen würde. Ich versuche es mit einigen Andeutungen, die hoffentlich trotzdem neugierig machen.
Wir erzählen im neuen Zyklus nicht nur, was sich auf der Raumstation namens PEGASOS abspielt, sondern auch, welchem Zweck das Geheimprojekt namens Elysion dient. Die Menschen und die anderen Sternenvölker aus der Milchstraße müssen dabei mit den Kulturen anderer Galaxien zusammenarbeiten – man muss gemeinsam einen Gegner abwehren, der weniger mit großen Raumflotten als mit geheimen Aktionen im Dunkeln anzugreifen versucht. So wird an unter anderem eine neue Geheimorganisation aufbauen, die mit PEGASOS in Verbindung steht …
Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, wie man bei parallelen Zyklen die Autorinnen und Autoren koordiniert?
Die meisten unserer Kolleginnen und Kollegen arbeiten hauptsächlich für eine der Serien. Wer beispielsweise intensiv bei PERRY RHODAN NEO mitschreibt, muss nicht auch noch versuchen, bei PERRY RHODAN ständig am Ball zu bleiben; da versuchen wir die Universen klar zu trennen. Ansonsten arbeiten wir ganz altmodisch mit Terminplänen – die ich immer noch ausgedruckt neben mir liegen habe, immer griffbereit – und improvisieren im Zweifelsfall. Anders wären die vielen Aufgaben kaum zu leisten, denke ich.
Welches Cross-Over würdest du dir für Perry Rhodan einmal wünschen?
Puha. Schwierig. Vielleicht am ehesten mit dem klassischen »Foundation«-Zyklus, weil es hier doch einige Dinge gibt, die sich verbinden ließen …
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Foto: Klaus N. Frick (privat)