Interview Mary Stormhouse 2.0

Hallo zusammen.
Zum Jahresanfang gibt es erneut ein Interview mit Mary. Sie spricht mit uns über ihr neues Buch „Heaven’s Lie“, ihre weiteren Projekte und über den Autorenalltag.
Hallo Mary, schön, dass du dir wieder Zeit für ein Interview genommen hast. Dein neues Buch steht gerade in den Startlöchern. Möchtest du etwas darüber erzählen?
Heaven’s Lie ist Teil einer Dilogie, wird also ein Zweiteiler. Die Fortsetzung Hell’s Truth erscheint nächstes Jahr um die gleiche Zeit. Letztlich ist es meine Version des Jüngsten Gerichts mit einer Handvoll sehr unterschiedlicher Protagonistinnen, die versuchen, sich selbst und die Menschheit zu retten. Für mich eine Neuerung: Ich schreibe erstmals auch aus der Perspektive eines Mannes, nachdem ich in meinen bisherigen Büchern nur weibliche Sichtweisen genutzt habe. Da ich schon immer ein Buch mit christlicher Mythologie, Engeln und Dämonen, schreiben wollte, habe ich mich sehr auf dieses Projekt gefreut, das wie andere Genrevertreter zwischen Drama und Humor schwankt. Auch Romance kommt nicht zu kurz, wobei sie wie immer bei mir in der zweiten Reihe steht. Köln spielt als Domstadt außerdem eine größere Rolle, die Geschichte startet also in Deutschland.
Wenn man deine Klappentexte liest, erkennt man eine große Affinität zur Mythologie. Woher kommt dein Interesse?
Mythologie, aber auch Fabeln und Sagen sind die Phantastik der Vergangenheit und verraten viel über uns Menschen, unsere Ängste und Träume. Dort stecken alle Tropes, die wir heute noch beim schreiben nutzen. Ich habe bereits in der ersten Klasse griechische und römische Sagen entdeckt und mich schon früh gefragt, warum wir nicht die Mythologie anderer Kulturkreise erforschen. In meiner Jugend bin ich dann auf diverse Manga gestoßen, die tief in die christliche Mythologie abtauchen und festgestellt, dass sich dort spannende Geschichten verbergen, die im Schulgottesdienst nicht erwähnt werden. Seitdem habe ich eine Schwäche für Geschichten wie Dogma, Good Omens, Supernatural und neuere Highlights wie Hazbin Hotel und Helluva Boss. Ich bin sehr dankbar, dass der WunderZeilen Verlag mir die Chance gibt, dieses Projekt zu verwirklichen, damit ist ein dicker Haken auf meiner Bucket List und ich kann mich der nächsten Mythologie zuwenden. Vielleicht Sagen aus Deutschland, irischen Fae oder Erzählungen der First Nations.
Was fasziniert dich an der Fantastik?
Die Fantastik gibt uns die Möglichkeit, die Herausforderungen unserer Zeit in spannende Geschichten verpackt zu konsumieren. Natürlich kann ich ein Sachbuch über den Klimawandel oder feministische Autobiografien lesen, aber der Alltag und die Nachrichten wirken auf mich häufig deprimierend genug. Daher mag ich fantastische Geschichten, die zwischen den Zeilen unsere Probleme nehmen und im besten Fall direkt eine Lösung dazu präsentieren. Das mag nicht immer eine realistische Lösung sein, aber wenn der Weg dahin von Freundschaft, Loyalität und Zusammenarbeit geprägt ist, dann glaube ich, dass auch wir es schaffen könnten. Das was ich schreibe, könnte man als Motivierenden Eskapismus beschreiben. Wenn Leserinnen nach der Lektüre ein bisschen Inspiration mit in ihren Alltag nehmen und einen Hauch positiver auf unsere Welt blicken können, und sei es nur einen Moment, dann bin ich happy. Und natürlich das Worldbuilding. Es macht unfassbaren Spaß, andere Welten zu gestalten, um unterschiedliche Geschichten zu erzählen. Allerdings ist es auch ein großes Problem für mich. Immer, wenn ich eine Schreibblockade habe, setze ich mich an eines meiner Konzepte und arbeite am Worldbuilding. Und wenn ich eine Welt fertig habe, dann kommt die nächste…
Könntest du dir vorstellen zusammen mit einem anderen Autor oder einer anderen Autorin in eine gemeinsame Buchwelt abzutauchen? Oder schreibst du lieber allein?
Tatsächlich ist es ein großer Traum von mir, ein Buch gemeinsam mit einer anderen Person zu schreiben. Ich glaube, dass es eine bereichernde Erfahrung ist und man nicht nur viel lernen, sondern auch einem anderen Menschen viel näher kommen kann. Mein Mann ist ja auch Autor, aber der hat abgelehnt, da wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen haben und unsere Beziehung nicht aufs Spiel setzen möchte. 😀
Für mich ist allein zu schreiben eher eine Herausforderung, da ich jahrelang in Werbeagenturen geschrieben habe, wo immer andere Menschen um mich herum waren. Wenn ich eine Blockade hatte, konnte ich immer zu jemand anderem gehen und mich austauschen. Und ich wurde auch mit Instant-Kritik und kreativem Austausch versorgt. Das hat nicht nur den Output, sondern auch die Qualität meiner Arbeit enorm erhöht. Davon abgesehen, dass es Spaß macht, mit Nerfguns durch Agenturgänge zu laufen. Allerdings sind diese Zeiten auch lange vorbei.
Zum Glück habe ich mit Maya Malou eine Schreibfreundin gefunden, mit der ich mich regelmäßig per Discord verknüpfe, um zu schreiben. Und wir planen auch in der Zukunft ein gemeinsames Buch, müssen jetzt allerdings erstmal unsere laufenden Projekte abschließen. Darauf freue ich mich jedenfalls sehr und hoffe, dass wir das zusammen verwirklichen können.
Wie kann man sich deinen ‚Autorenalltag‘ vorstellen?
Dazu musst du wissen, dass ich eine Nachteule bin. Ich habe lange versucht, meinen Biorythmus an Morgenmenschen anzupassen, habe das aber aufgegeben. Insofern startet mein Morgen spät und mit viel Kaffee. Dann kommen erstmal die nicht so spannenden Sachen, die anstehen: E-Mails, Kommunikation, Ehrenamt, Rechnungen, Messeplanung. Je nachdem wie die Lage ist, folgt dann Einarbeitung von Lektorat oder das lektorieren eines Buches, wenn gerade etwas vorliegt. Schreiben mache ich normalerweise einmal mittags bis nachmittags und dann vor allem abends. Wenn ich von 21 Uhr bis Mitternacht schreibe, dann läuft das selbst an schlechten Tagen. Morgendliche Versuche scheitern da eher. Ganz wichtig ist es, dass man sich selbst einschätzen lernt und auch darauf hört. Habe ich einen schlechten Tag, dann pausiere ich und lese oder zeichne. Wenn es ein ganz schlechter ist, spiele ich einfach nur am PC oder entspanne mich anderweitig. Dazu kommt natürlich auch noch der Brotjob und die Familie. Für mich gehört es dazu, alles auszubalancieren und mir nie sagen zu lassen, wann es zuviel ist, aber es selbst zu wissen. Daher gibt es nicht den Alltag für mich, sondern einen idealisierten Plan, den ich im Hinterkopf habe, der aber meistens an der Realität scheitert. Ich bin sehr viel entspannter, seit ich akzeptiert habe, dass immer etwas dazwischen kommt. Was aber jeden Tag dazugehört ist Familienzeit und etwas neues Lernen. Entweder ein neues Wort in einer fremden Sprache, ein Rezept, das kann alles sein.
Wie viele Ideen hast du zur Zeit in der Schublade?
In die Schublade greifen wir besser nicht, denn die platzt aus allen Nähten. An meiner Pinnwand hängen aktuell neunzehn Projekte, die bereits die ersten drei Stadien überstanden haben, ohne im Müll zu landen. Stadium Eins ist liegenlassen, wieder in die Hand nehmen und immer noch gut finden, auch nach Prüfung. Stadium Zwei ist: Konzept bauen, Welt konzipieren, Charaktere entwerfen und schauen, ob die Idee als Roman funktioniert. Manchmal stelle ich fest, dass die Idee nicht einen ganzen Roman trägt. Dann wandert sie in den Ordner für mögliche Kurzgeschichten. Oder ich habe das Gefühl, alles war schon mal da, dann landet es ebenfalls im Müll. Ideen, die soweit sind, bekommen eine Outline. Der letzte Test, wie tragfähig eine Idee ist. Und die Projekte, die auch das überstehen, dürfen endlich an die Pinnwand mit meienr Romanplanung für die nächsten Jahre. Die Reihenfolge wird natürlich immer hin und her jongliert. Das hängt damit zusammen, dass ich am Anfang als Selfpublisherin geplant habe, mittlerweile aber auch Verlage Ideen von mir wollen, die dann automatisch nach vorne rutschen. Alle, die gerne Geschichten von mir lesen, können also aufatmen: Solange ich kann, werde ich schreiben. Stand Jetzt habe ich bis an mein Lebensende und darüber hinaus Ideen und es kommen immer weitere dazu, die noch besser sind und aktive Projekte ablösen.
Was begeistert dich neben dem eigenen Schreiben an der Buchwelt am meisten?
Die Menschen. Am Anfang habe ich befürchtet, dass viele nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und Ellenbogeneinsatz an der Tagesordnung ist. Und ja, das gibt es, da will ich gar nichts beschönigen. Andererseits komme ich aus der Werbung, wo die Elllenbogen sehr viel schärfer sind und die Hierarchien sehr viel archaischer aufgebaut. Deshalb kann ich über die Momente, in denen ich so etwas erlebe, relativ einfach hinweg schauen. Vor allem, da die meisten Autorinnen einfach klasse sind. Gerade in der Phantastik-Schiene hat man mit vielen sofort einige Gemeinsamkeiten, kennt sich vielleicht schon aus anderen Ecken oder um drei Ecken und nach jeder Messe gehe ich mit viel Inspiration und Motivation nach Hause. Und die entstehen nicht durch Verkäufe, sondern durch den Kontakt zu Leserinnen und Autor*innen. Und ja, ich bin mit vielen Menschen befreundet, die ähnliches schreiben wie ich. Ich sehe das nicht als Konkurrenz, sondern als Chance. So lernen wir voneinander, aber wir können uns auch gegenseitig empfehlen. Mir ist es lieber, jemandem ein anderes Buch, das besser passt zu empfehlen, als mein Buch aufzuschwatzen. Das mag kurzfristig keinen Effekt bringen, aber langfristig. Davon abgesehen kann ich ohnehin niemanden für meine Bücher begeistern, der mich, meinen Stil oder meine Ideen nicht mag. Daher finde ich den Austausch unter uns einfach wichtig. Und tatsächlich zwischen allen Veröffentlichungsformen, von der Spiegelbestseller-Autorin im Großverlag bis zur Selfpublishing-Debüttantin. Wir können alle voneinander lernen und in einer Welt, in der Kultur und Kunst nicht die verdiente Unterstützung erhalten, müssen wir zusammenhalten. Je eher wir alle das verinnerlichen, desto besser.
Ihr wollt mehr über Mary wissen oder auf dem Laufenden bleiben? Dann folgt ihr hier:
Webseite: https://stormhouse.de/
Instagram: https://www.instagram.com/marystormhouse/
Foto: Mary Stormhouse (privat)